Worum es geht

Im Januar 2021 schrieb ARK Invest, die Ausgaben von Rechenzentren für KI-Prozessoren würden sich bis 2025 mehr als vervierfachen, von 5 auf 22 Milliarden Dollar im Jahr (ARK Invest, Big Ideas 2021). Das galt damals als kühn.

TechInsights rechnet für 2025 mit 220 Milliarden Dollar (TechInsights, 16. Januar 2026). Nvidia allein setzte im Rechenzentrumsgeschäft 193,7 Milliarden Dollar um, im Geschäftsjahr bis Januar 2026 (Nvidia, 25. Februar 2026). Die Richtung stimmte. Die Größenordnung lag um den Faktor zehn daneben.

Wer ein Phänomen erkennt und seine Größe um eine Zehnerpotenz verfehlt, hat es nicht vorhergesehen. In unserer Abrechnung steht ARK deshalb unter „weit übertroffen“, nicht unter den Treffern.

Warum das zählt

Jeder dieser Chips braucht Strom, rund um die Uhr. Rechenzentren in den USA verbrauchten 2014 58 TWh. 2023 waren es 176 TWh, 4,4 Prozent des US-Stroms (Lawrence Berkeley National Laboratory, Dezember 2024). 2024 kamen sie auf 192 TWh, 4,7 Prozent. Für 2025 rechnet das Labor mit 22 Prozent mehr, für 2028 mit 464 TWh. Für 2030 erwartet es 649 TWh und damit 11,8 Prozent des US-Verbrauchs, in einer Spanne von 521 bis 843 TWh (LBNL, Juni 2026).

Weltweit lag der Bedarf 2024 bei 415 TWh, rund 1,5 Prozent des globalen Stroms. Bis 2030 verdoppelt er sich auf etwa 945 TWh (Internationale Energieagentur, Energy and AI, 2025). 2025 allein stieg er um 17 Prozent (IEA, 16. April 2026).

Die USA legen bis 2030 um rund 240 TWh zu, China um 175, Europa um gut 45. 2024 entfielen 45 Prozent des Verbrauchs auf die USA, 25 Prozent auf China und 15 Prozent auf Europa (IEA).

Der Engpass ist das Netz

Die Future Today Strategy Group fasst die Lage im Convergence Outlook 2026 so: Die Verfügbarkeit von Strom sei zunehmend der begrenzende Faktor, vor Chips und Kapital. Einzelne KI-Rechenzentren zögen Hunderte Megawatt und stießen an Netzkapazität, Grundlast und die Fristen des Netzausbaus (FTSG, Convergence Outlook 2026, S. 70).

Wie das aussieht, zeigt Irland. Rechenzentren verbrauchten dort 2025 23 Prozent des gemessenen Stroms, 2015 waren es 5 Prozent. Alle städtischen Haushalte zusammen kamen auf 18 Prozent (Central Statistics Office, 7. Juli 2026).

Was daraus folgt

In der EU verbrauchten Rechenzentren 2024 68 TWh. Bis 2030 sollen es 114 TWh werden, 3,2 Prozent des EU-Stroms (Europäische Kommission, COM(2026) 500). Deutschland hat rund 2.000 Rechenzentren. Sie kamen 2025 auf 2.980 Megawatt Leistung und 21,3 TWh Verbrauch, für 2030 sind über 5.000 Megawatt angesetzt (Bitkom, 10. November 2025).

Die Anfragen sind schon weiter. Allein beim ostdeutschen Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom liegen 90 Anschlussanfragen von Rechenzentren mit zusammen 16,8 Gigawatt (energie.de, 27. November 2025). Das sind Anschlusswünsche, keine gebaute Leistung. Alle deutschen Rechenzentren zusammen kommen auf knapp 3 Gigawatt.

Der Netzanschluss wird damit zur Standortfrage, für Rechenzentren und für alle, die neben ihnen Strom brauchen.

Bei der Chipprognose war ein Faktor zehn verzeihlich. Beim Netzausbau wäre er es nicht.