Was passiert ist

Laut dem globalen Bericht der UN-Biodiversitätskonvention (CBD), ausgewertet von Carbon Brief, liegen die Staaten bei 22 von 23 Zielen nicht im Plan. 113 von 196 Parteien (58 %) haben neue nationale Biodiversitätsstrategien vorgelegt. Zwei Jahre nach der Frist.

Von 2020 bis 2023 wurden kumuliert 186,4 Mrd. Dollar mobilisiert, im Schnitt weniger als 50 Mrd. pro Jahr. Ziel für 2030: 200 Mrd. jährlich. Internationale öffentliche Mittel: 17,7 Mrd. Dollar in vier Jahren, also 4,4 Mrd. pro Jahr. Die Marke von 20 Mrd. bis 2025 wurde laut CBD „likely not achieved“.

Wo das Geld steht

Der Global Biodiversity Framework Fund erhielt von August 2023 bis 30. Juni 2026 Zusagen über 387,2 Mio. Dollar, von 11 Staaten und Québec (Daten der GEF, via Carbon Brief).

Die EU ist laut Ribera auf dem Weg, ihre internationale Biodiversitätsfinanzierung 2021 bis 2027 auf 7 Mrd. Euro zu verdoppeln. Ihr Beitrag zu NaturAfrica liegt bei 1,6 Mrd. Euro. Die OECD kommt für die internationalen öffentlichen Mittel auf rund 16,1 Mrd. Dollar pro Jahr.

Der Cali Fund: zwei Beiträge, zusammen 6.000 Dollar (Carbon Brief, Oktober 2026). Ein Working Paper des Grantham Research Institute (LSE) beziffert das Potenzial auf 3,6 Mrd. Dollar jährlich, wenn alle 21.690 berechtigten Firmen zahlen, und auf 929 Mio. bei realistischer Beteiligung. Die Initiative Cali Watch stellt fest: Kein einziger Staat hat Unternehmen per Gesetz zur Zahlung verpflichtet.

Auf der anderen Seite der Rechnung beziffert UNEP naturschädliche Finanzflüsse 2023 auf 7,3 Billionen Dollar. Das ist mehr als das 30-Fache dessen, was in naturbasierte Lösungen fließt (State of Finance for Nature 2026).

Was das mit Deinem Unternehmen zu tun hat

Offenlegung. Ziel 15 verlangt von den Staaten, große Unternehmen und Finanzinstitute dazu zu bringen, ihre Biodiversitätsrisiken und -abhängigkeiten offenzulegen. Im Entwurf des CBD-Berichts kommt es auf einen Score von 0,25 von 1; die Endfassung lässt die Scores weg (Carbon Brief). Zwei Drittel der zugehörigen nationalen Ziele zeigen keine oder unzureichende Fortschritte. Gleichzeitig legen laut CBD Tausende Unternehmen solche Risiken offen, jedes Jahr mehr. Als Hürden nennt der Bericht fehlende verpflichtende Berichtsrahmen und den Ausschluss kleinerer Firmen. Freiwillig ist also viel los. Die Pflicht fehlt noch.

Genetische Daten. Der Cali Fund richtet sich an Firmen, die mit digitalen Sequenzinformationen Geld verdienen. EU-Vizepräsidentin Teresa Ribera schlägt für Eriwan eine Pilotphase vor, die Unternehmen zu Beiträgen ermutigen soll. Siva Thambisetty (LSE) sagt es direkter: Ohne Druck von außen bewegt sich die Wirtschaft hier nicht, die Staaten müssen handeln. Arbeitet Deine Forschung mit solchen Daten, ist das der Tagesordnungspunkt, den Du verfolgen solltest.

Naturzertifikate. Die EU gründet auf der COP17 eine Group of Friends on Nature Credits. Wie strenge Regeln aussehen, zeigt der UN-Kohlenstoffmarkt: Das Article 6.4 Supervisory Body verpflichtet Kochherd-Projekte, Zertifikate in einen Puffer-Pool abzugeben. Pauschal 20 % für menschengemachte Risiken, um bis zu zwei Drittel reduzierbar. Mindestens 9 % bleiben laut einer UN-Quelle selbst dann (Climate Home News). Injy Johnstone vom Max-Planck-Institut in München warnt: Politische Zusagen belegen noch keine tatsächlich gesunkenen Risiken.

Ribera gibt für Eriwan das Motto aus: von Versprechen zu Belegen. Bei 6.000 Dollar ist der Beleg wenigstens handlich.